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Heiztechnik für Neubauten Baustandards und Wärmebedarf - Passivhaus

Definition des Passivhauses: Der funktionale Ansatz

Die konsequente Weiterentwicklung des Niedrigenergiehausstandards führt zum Passivhaus. Auch im Passivhaus muss ein Restwärmebedarf gedeckt werden – es ist kein Nullheizenergiehaus. Es reicht aber aus, die Wärme durch eine Nacherwärmung der Zuluft, die ohnehin verteilt werden muss, zuzuführen. So kann die Lüftung gleichzeitig auch für die Heizwärmeverteilung genutzt werden. Der Heizwärmebedarf im Passivhaus liegt unter 15 kWh/(m²*a). Der Schlüssel hierzu ist eine erheblich verbesserte Energieeffizienz. Verbesserte Energieeffizienz heißt bei Wohngebäuden in Mitteleuropa vor allem sehr guter Wärmeschutz, Luftdichtheit, hocheffiziente Lüftung, Haustechnik mit niedrigen Aufwandszahlen und Stromsparende Geräte. Die effiziente Technik verringert nicht nur den Energieverbrauch, sondern erhöht auch die thermische Behaglichkeit und verbessert den Schutz der Bausubstanz. Ökonomisch können die erhöhten Investitionskosten für die Effizienzverbesserung weitgehend durch Einsparungen in der Heizwärmeverteilung
kompensiert werden. Eine aufwändige Verteilung kann entfallen, wenn die Wärmeverteilung über die Zuluft erfolgt. Da aus hygienischen Gründen auf Umluftbetrieb verzichtet werden soll, lässt sich hieraus unmittelbar das funktionale Kriterium für Passivhäuser (unabhängig vom Klima) ableiten. Die Maximaltemperatur am Nachheizregister muss auf weniger als 50°C begrenzt werden, um eine Staubverschwelung zu vermeiden. Daraus ergibt sich eine maximale Heizlast von 10 W/m², die mit der Zuluft gedeckt werden kann.


Merkmale eines Passivhauses

– Guter Wärmeschutz (U-Wert der Außenwandbauteile < 0,1 W/(m²*K)) und möglichst kompakte Gebäudehülle, wärmebrückenfrei – Luftdichte Gebäudehülle (Blower- Door- Test n50 < 0,6 1/h) – Hocheffiziente kontrollierte Wohnungslüftung mit Wärmerückgewinnung (Wärmebereitstellungsgrad > 75%)
– Dreischeiben-Wärmeschutzverglasung und Hochwärmegedämmte Fensterrahmen (U-Wert) im eingebauten Zustand < 0,85 W/(m²*K), nach Möglichkeit Orientierung der Haupt-Fensterflächen nach Süden mit geringer winterlicher Verschattung
- Geringer gesamter Primärenergieeinsatz (< 120 kWh/(m²*a) inklusive Haushaltsstrom) durch hocheffiziente Haustechnik, geringe Verteilverluste.


Die wesentlichen Elemente sind bereits aus der Entwicklung des Niedrigenergiehauses bekannt, im Passivhauskonzept werden sie konsequent weiterentwickelt und umgesetzt: Verbesserte Wärmedämmung bedeutet nicht nur reduzierte Wärmeverluste, sondern auch im Winter höhere und im Sommer niedrigere Innenoberflächentemperaturen. Dadurch steigt die Behaglichkeit (Strahlungsklima) und sinkt die Anfälligkeit für Tauwasser an Innenoberflächen. Alle Bauweisen, egal ob Massiv oder Leichtbauweise, können prinzipiell mit Hochwärmegedämmter Gebäudehülle ausgeführt werden. Wichtig ist dabei eine möglichst kompakte Gebäudehülle um unnötig hohe Außenwandflächen und damit Wärmeverluste zu vermeiden. Die Vermeidung von Wärmebrücken stellt nach den Erfahrungen im Passivhausbau eine der wirtschaftlichsten Effizienzmaßnahmen dar. Auch hier sind der erreichte Schutz der Bausubstanz und die verbesserte Behaglichkeit offensichtlich. Bei wohnraumüblichen Temperaturen und Feuchtigkeiten gibt es in einem wärmebrückenfrei konstruierten Passivhaus kein Tauwasser an Innenoberflächen mehr. Auch die Luftdichtheit reduziert die Anfälligkeit für Bauschäden und ist eine wichtige Voraussetzung für die Funktion der kontrollierten Wohungslüftung. Darüber hinaus werden damit die Lüftungswärmeverluste deutlich reduziert, denn Luft die durch Leckagen ausströmt kann nicht von der Wärmerückgewinnung genutzt werden. Fugenlüftung ist wie die Fensterlüftung nicht bedarfsgerecht, sondern quasi Zufallslüftung, angetrieben von Winddruck und Temperaturdifferenzen. Hochwertige Fenster sind für das Passivhaus eine wichtige Voraussetzung. Um einen Gesamt- Uw- Wert (also inklusive Einbauwärmebrücke) dieser so genannten „Warmfenster“ von weniger als 0,85 W/(m²*K) zu erreichen, kommt es nun vor allem auf einen sachgerechten Einbau an. Gerade das Hochwärmedämmende Fenster trägt entscheidend zur besseren Behaglichkeit bei, weil es gelingt, die mittleren Oberflächentemperaturen über 17°C zu halten. Dadurch wird die Art der Wärmezufuhr im Raum zweitrangig: Es kommt nicht mehr darauf an, wo und wie im Raum die noch erforderliche geringe Heizwärme zugeführt wird. Selbst der Zeitpunkt ist im Passivhaus unkritisch: auch mehrere Stunden Heizungsunterbrechung werden praktisch nicht bemerkt. Die Lufterneuerung für die Bewohner darf über allen Maßnahmen zum Wärmeschutz und zur Luftdichtheit nicht vernachlässigt werden. Zuverlässig, in genau der richtigen Menge, am gewünschten Ort, pollenfrei und komfortabel ist die Frischluftzufuhr durch eine geregelte Wohnungslüftung möglich. Auch hier stehen Lufthygiene und Behaglichkeit im Vordergrund. Durch den Einsatz von elektronisch kommutierten Gleichstromventilatoren und hocheffizienten Gegenstrom- Wärmeüberträgern ist die Wärmerückgewinnung mit einer entscheidenden Verbesserung der Effizienz verbunden.

Von Georg am 10.04.09 10:52 |

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