Sicher-Heizen.de

EnEV Grundlagen - Der Berechnungsweg für den Primärenergienachweis Schritte 4-6

Schritt 4 Wärmebedarf zur Trinkwassererwärmung qtw

Zur Ermittlung des Wärmebedarfs für die Trinkwassererwärmung qtw gibt die EnEV einen Wert von 12,5 kWh/(m²•a) vor.


Schritt 5 Ermittlung der anlagenspezifischen Aufwandszahl eP

Abhängig von der ausgewählten Anlagentechnik ergibt sich eine anlagenspezifische Aufwandszahl ep,vorhanden die den Primärenergieaufwand in Bezug auf die erzeugte Nutzwärme beschreibt.
ep,vorhanden = QP / (Qh + Qt ) = qP / (qh + qt )
Hier kann sowohl mit absoluten als auch mit spezifischen Größen (bezogen auf die Nutzfläche) gerechnet werden. Entsprechend diesem Rechengang kann auch ein Vergleich eines zentralen und eines dezentralen Systems erfolgen Die benötigte Wärmeenergie für die Trinkwassererwärmung (nach EnEV) sowie für die Heizung (berechnet nach DIN V 4108 Teil 6), also die Ausgangsgrößen, sind für alle drei betrachteten Varianten identisch. Die DIN V 4701 Teil 10 gibt dann für die gewählten Varianten der Trinkwassererwärmung und der Führung der Verteilungsleitungen (innerhalb oder außerhalb der thermischen Hülle) die Verluste vor, diese sind in Abhängigkeit der Nutzfläche AN in der DIN tabelliert. Gleiches gilt für die Verluste bei der Heizwärmeerzeugung. Ein Teil der Speicher- und Verteilungsverluste bei der Trinkwassererwärmung kommt allerdings der Heizwärme zugute. Dieser „Gewinn” ist bei innen verlegten Leitungen natürlich größer als bei Leitungen außerhalb der thermischen Hülle. Bei Aufstellung des Speicher- Wassererwärmer außerhalb der thermischen Hülle kann keine Gutschrift der Verluste erfolgen. Die sich ergebenden Summen an Nutzenergie für Trinkwassererwärmung und Heizung wird zunächst mit der Wärmeerzeuger- Aufwandszahl eg multipliziert, Ergebnis ist die Endenergie. Aus der jeweiligen Endenergie ergibt sich mit dem Primärenergiefaktor fP die einzusetzende Primärenergie.
Die Aufwandszahlen für unterschiedliche Wärmeerzeuger sind in der DIN V 4701 ebenfalls in Abhängigkeit der Gebäudenutzfläche tabelliert. Für Gebäude bis 500 m² haben innerhalb der thermischen Hülle aufgestellte Wärmeerzeuger bessere Aufwandszahlen, da Oberflächenverluste auf den Wärmebedarf des Gebäudes angerechnet werden. Beim ausgeführten Beispiel gilt dies nicht, da 1000 m² angesetzt wurden. Vorteilhaft ist eine Innenaufstellung trotzdem, da Verteilverluste so minimiert werden. Analog muss auch für die erforderlichen Hilfsenergien für Trinkwassererwärmung und Heizung (Pumpen, Regelung etc.) vorgegangen werden. Die einzelnen Werte sind für Erzeugung, Speicherung und Verteilung in der Norm tabelliert. Hier geht der Primärenergiefaktor für die Stromerzeugung ein. Wird der sich insgesamt ergebende Primärenergiebedarf ins Verhältnis zum Wärmebedarf gesetzt, so ergibt sich die tatsächlich vorhandene Primärenergiebezogene Aufwandszahl. Es zeigt sich im Vergleich der Varianten, dass bei prinzipiell vergleichbarer Technik (Gas-Brennwerttechnik, Trinkwassererwärmung über Speicher- Wassererwärmer) die zentrale Wärmeerzeugung primärenergetisch Vorteile aufweist. Der erhöhte Verbrauch der dezentralen Lösung ergibt sich durch, höhere Speicherverluste bei der Trinkwassererwärmung, da die Summe aller Speicherinhalte bei dezentralen Systemen höher ist und durch größere Aufwandszahlen der Wärmeerzeuger für die Trinkwassererwärmung bei dezentralen Systemen, bzw. einen höheren spezifischen Hilfsenergiebedarf.


Schritt 6 Überprüfung

Die Berechnung kann nun dazu genutzt werden, die zentrale Anforderung der EnEV zu überprüfen. Es muss gelten: qP, vorhanden ≤ qP,zul Für das beschriebene Gebäudebeispiel ergibt sich ein qP,zul von 90,95 kWh/(m²•a). Mit dem gewählten Wärmedämmstandard von 70 kWh/(m²•a) liegen alle Ergebnisse über dem zulässigen Wert. Es muss also entweder die Bauausführung hinsichtlich der Wärmedämmung verbessert werden oder eine Anlagentechnik gewählt werden, die eine geringere Anlagenaufwandszahl besitzt. Natürlich können auch beide Maßnahmen kombiniert werden. Durch Einsetzen eines geringeren Heizwärmebedarfes, also eines verbesserten Wärmedämmstandards, kann man sich jetzt an den zulässigen Wert „herantasten”. Die gewählten Anlagenvarianten (Gas- Brennwerttechnik) wären zulässig bei einem Heizwärmebedarf von: Entsprechend müsste die Wärmedämmung verbessert werden. Am Wärmebedarf für die Trinkwassererwärmung besteht kein Verbesserungspotenzial (Vorgabe der EnEV). Andererseits könnte der Wärmedämmstandard bestehen bleiben, wenn die primärenergetische Bewertung der Anlagentechnik verbessert würde. Zur Erfüllung der Anforderung müsste für alle Varianten ein eP, zul von höchstens 1,1 erreicht werden: qP,zul = 90,95 kWh/(m²• a); qh + qtw = 82,5 kWh/(m²•a) -> eP,zul = qP,zul / (qh + qtw) = 90,95 / 82,5 = 1,1024 Dies kann z. B. durch die zusätzliche Einbindung von Solarenergie, die als Gewinn gutgeschrieben wird, oder durch die Wahl einer anderen Anlagentechnik erfolgen. Bei der dezentralen Lösung ist die Einbindung von Solarenergie allerdings kaum möglich. Generell kann auch die Verwendung herstellerspezifischer Produktkennwerte eine deutliche Reduzierung des Primärenergiebedarfes mit sich bringen.

Von Georg am 21.02.09 16:42 |

© 2000-2018 Sicher-Heizen.de GmbH, 39167 Irxleben, Gewerbestraße 6
Kontakt & Tel: 039204 - 878-0, Impressum & Sitemap, Datenschutz