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EnEV Grundlagen - Die wichtigsten Kenngrößen eines Gebäudes

Im Rahmen der EnEV erhalten TGA- Planer und Architekt gemeinsam ein großes Maß an Freiheit, die energetische Qualität eines Gebäudes sicherzustellen. Als maßgebliche Größen dienen nur der Primärenergiebedarf qP,zul und der maximal zulässige Transmissionswärmeverlust HT´. Beide Werte sind in Tabellen innerhalb der EnEV vorgegeben und benötigen nur wenige zusätzliche Angaben, um sie festzulegen.


Das A/Ve-Verhältnis und die Nutzfläche AN

Die A/Ve-Kennzahl stellt das Verhältnis von äußerer Gebäudehüllfläche A, (also Außenwände + Kellerdecke + Dachfläche bzw. oberste Geschossdecke) und dem davon eingeschlossenen beheizten Gebäudevolumen (umbauter Raum) Ve dar. Je kompakter ein Gebäude ist, desto kleiner wird A/Ve. Die Nutzfläche AN ergibt sich aus dem umbauten Volumen Ve nach der Formel AN = 0,32 • Ve und ist nicht immer identisch mit der realen beheizten Wohnfläche. In der Regel ist die wirkliche Wohnfläche etwa 20% kleiner.

Primärenergiebedarf qP

Abhängig von den oben genannten Gebäudekennwerten ergibt sich aus der EnEV ein maximal zulässiger Primärenergiebedarf qP,zul. Dieser qP,zul-Wert darf nicht überschritten werden und stellt somit die Basis für die Arbeit des TGA-Planers und des Architekten dar. Ihnen ist es jetzt überlassen, durch Kombination bauphysikalischer und heiztechnischer Maßnahmen eine Bauausführung zu erarbeiten, deren Primärenergiebedarf für die Wärmeerzeugung unter diesem Grenzwert bleibt. Der maximal zulässige Primärenergiebedarf qP,zul ergibt sich aus einer Formel in der EnEV, die sich am A/Ve-Verhältnis orientiert. Zusätzlich ist ein Glied in die Formel aufgenommen, das mit Hilfe der Nutzfläche AN den Primärenergiebedarf für die Trinkwassererwärmung berücksichtigt. Aufgrund dieses nutzflächenabhängigen Terms entsteht in Abhängigkeit von A/Ve keine feste Abhängigkeit (Linie), sondern ein etwas breiteres Abhängigkeitsband. Für Wohngebäude mit zentraler Trinkwassererwärmung gilt: qP,zul = 50,94 + 75,29 • A/Ve + 2600/ (100 + AN) [kWh/(m²• a)] Für die Ermittlung des tatsächlichen Primärenergiebedarfs dienen die DIN V 4701 Teil 10 und die DIN 4108 Teil 6. Es können verschiedene Berechnungsverfahren eingesetzt werden. Für vorgegebene Anlagenschemata bietet die Norm in Abhängigkeit von der Nutzfläche AN und dem spezifischen Heizwärmebedarf qh (ermittelt nach DIN V 4108 Teil 6) Diagramme, aus denen die Aufwandszahlen abgeleitet werden können. Die Norm gibt Standardwerte vor, die für verschiedene Wärmeerzeuger und andere Komponenten den jeweils unteren Marktdurchschnitt darstellen. Die Werte sind in Abhängigkeit von der Nutzfläche AN angegeben. Mit Hilfe von Tabellen werden so für alle Anlagenkomponenten (Wärmeerzeuger, Verteilsystem, Wärmeabgabe, Trinkwassererwärmung, Zirkulation, Hilfsenergien usw.) Aufwandszahlen abgelesen und in einem Formblatt verknüpft. Soweit vorhanden können auch Herstellerbezogene Produktkennwerte genutzt werden. Dies erfordert dann eine detaillierte Berechnung. Allerdings können dadurch beim Einsatz entsprechender Anlagenkomponenten günstigere Anlagen-Aufwandszahlen erreicht werden.


Ausnahme für die elektrische Trinkwassererwärmung

Strom wird bei seiner Erzeugung aus Primärenergie (im Kraftwerk) seitens der EnEV mit dem Primärenergie-Umwandlungsfaktor 3 belegt, was dem durchschnittlichen Kraftwerks- Wirkungsgrad von 34% entspricht. Im Vergleich dazu werden Erdgas und Erdöl mit 1,1 bewertet. Dadurch schlägt die Verwendung der Endenergie „Strom” primärenergetisch sehr stark zu Buche, was Wettbewerbsnachteile für elektrische Heißwassergeräte bedeutet hätte. Auf Betreiben der Elektroindustrie wurde deshalb der zulässige Primärenergiebedarf gegenüber der nichtelektrischen Trinkwassererwärmung angehoben, um Nachteile für den „Brennstoff” Strom auszugleichen. Für Wohngebäude mit überwiegend elektrischer Trinkwassererwärmung wurde dazu eine zusätzliche Berechnungsformel in die EnEV aufgenommen. Für Wohngebäude mit überwiegend elektrischer Trinkwassererwärmung gilt: qP,zul = 72,94 + 75,29 • A/Ve [kWh/(m²• a)]


Ausnahme für elektrische Speicherheizung

Eine entsprechende Ausnahmeregel wurde aus gleichen Gründen auch für den Einbau elektrischer Speicherheizungen vereinbart. Auch hier würde der geringe Wirkungsgrad der Primärenergieumwandlung (Öl, Gas, Kohle) in Strom und der daraus resultierende Umwandlungsfaktor 3 zu einem faktischen Ausschluss der Stromheizung vom Markt führen. Deshalb wurde vereinbart, für Speicherheizungen, die in Verbindung mit einer Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung betrieben werden, den Primärenergie-Umwandlungsfaktor von 3 auf 2 herabzusetzen. Diese Regelung gilt bis zum 31.01.2010.


Ausnahme für monolithische Außenwandkonstruktion

Auch für die Verwendung von Ziegeln (monolithische Außenwand) wurde eine Ausnahmeregel getroffen: Bis zum 31.01.2007 durfte der Primärenergiebedarf entsprechend erstellter Ein- und Zweifamilienhäuser den zulässigen qP-Wert um bis zu 3% überschreiten. Diese Regel galt nur für Ein- und Zweifamilienwohnhäuser, die mit Niedertemperatur-Heizkesseln und einer Systemtemperatur größer 55/45°C beheizt werden. Diese Ausnahmeregelung sorgte dafür, dass im privaten Eigenheimbau auch weiterhin Gebäude mit Ziegelwänden ohne zusätzliche Wärmedämm- Maßnahmen wettbewerbsfähig gebaut werden konnten.


Spezifischer Transmissionswärmeverlust HT´

Neben der Festlegung des maximal zulässigen Primärenergiebedarfes gilt lediglich eine weitere Einschränkung, häufig als Nebenbedingung bezeichnet: Der maximale spezifische Transmissionswärmeverlust (HT´) über die Gebäudehülle ist durch die EnEV geregelt: (Spezifischer Transmissionswärmeverlust für Wohngebäude: HT´ = 0,3 + 0,15 • Ve / A [W/(m•K)] HT´ entspricht etwa dem bisher bekannten mittleren k-Wert. Er kann durch normale Baustandards leicht eingehalten werden. HT´ stellt damit praktisch keine Einschränkung der Gestaltungsmöglichkeiten des Architekten dar und wird in der Regel vom Architekten oder Bauingenieur nachgewiesen. Der Wärmeschutz des Gebäudes muss den anerkannten Regeln der Technik entsprechen, konkrete Werte für einzelne Bauteile schreibt die EnEV im Neubau nicht vor.

Von Georg am 13.02.09 12:03 |

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