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Anlagentechnik für die EnEV – Die EnEV im Gebäudebestand

Damit die EnEV ihr Ziel erreicht, spürbare Reduzierungen des Primärenergieverbrauchs und der CO2- Emissionen zu bewirken, müssen auch Maßnahmen im Gebäudebestand durchgesetzt werden. Eine Auswertung der Schornsteinfeger zeigt, dass von den rund 15 Millionen Heizungsanlagen in Deutschland 4,4 Millionen, das ist fast ein Drittel aller Anlagen, älter als 15 Jahre ist. 2,4 Millionen, mehr als 16%, sind sogar älter als 19 Jahre. Ein Großteil dieser Anlagen entspricht nicht mehr dem Stand der Technik und ist dringend modernisierungsbedürftig. Dieser Umstand ist in der EnEV grundsätzlich berücksichtigt worden, denn es wurden auch Vorgaben für die Modernisierung von Gebäude- Wärmedämmung und Anlagentechnik im Bestand erlassen.


Der Bestand: Das größte Energieeinsparpotenzial

Würden alle von der EnEV betroffenen Altanlagen modernisiert, so könnte der CO2-Ausstoß der privaten Haushalte nachhaltig gesenkt werden. Der Neubau allerdings, auf den die EnEV im Wesentlichen zielt, trägt zu einer nachhaltigen CO2-Reduktion kurzfristig nichts bei. Jeder m² Wohnfläche mehr in Deutschland steigert den Energieverbrauch. Die EnEV sorgt lediglich dafür, dass dieser Anstieg etwas abgeschwächt wird.

Nachrüstverpflichtungen und Ausnahmen

Ziel muss es deshalb sein, den Gebäudebestand mit hoch entwickelten und ausgereiften Technologien energetisch zu sanieren. Die EnEV gibt für den Gebäudebestand Maßnahmen vor. Der im Neubau in der EnEV vorgeschriebene Energiebedarfsausweis wird auch im Gebäudebestand Einzug halten. Der Nachweis eines geringen Primär- und Endenergiebedarfs weist auf entsprechend geringe Energieverbrauchskosten hin und dokumentiert damit für den modernisierten Gebäudebestand das Niveau der „zweiten Miete”.


Austauschpflicht für Heizkessel

Die Austauschpflicht für Heizkessel im Gebäudebestand greift nur für einen geringen Anteil. Grundsätzlich gilt sie nur für Heizkessel, die vor 1978 eingebaut wurden, also mindestens 25 Jahre alt sind und keine Niedertemperatur- oder Brennwertkessel sind. Auch die verbleibenden Konstanttemperaturkessel sind dann nicht austauschpflichtig, wenn sie in einem vom Eigentümer selbst bewohnten Ein- oder Zweifamilienwohnhaus stehen. Damit ist ein Großteil der mit hohen Verlusten arbeitenden Heizkessel von der Austauschpflicht ausgenommen. Wichtig ist es, darauf hinzuweisen, dass die Bestimmungen der BImSchV weiterhin gelten, also alle betroffenen Heizkessel, die die Grenzwerte zur Einstufungsmessung nicht erfüllt haben, spätestens seit 1.11.2004 die für Neuanlagen festgelegten Grenzwerte einhalten müssen.


Maßnahmen an der Gebäudehülle

Auch für die Modernisierung der Gebäudehülle beinhaltet die EnEV Vorschriften. Diese greifen immer dann, wenn ohnehin Maßnahmen am Gebäude durchzuführen sind. Die einzige Maßnahme, die in jedem Fall ansteht, ist die Wärmedämmung nicht begehbarer, aber zugänglicher oberster Geschossdecken, sofern es sich nicht um vom Eigentümer selbst genutzte Ein- oder Zweifamilienhäuser handelt. Werden an Bauteilen wie Fenstern oder Außenwänden Modernisierungsmaßnahmen durchgeführt, die mehr als 20% der Fläche gleicher Orientierung betreffen. Alternativ kann auf die Einhaltung der vorgeschriebenen U-Werte verzichtet werden, wenn nachgewiesen wird, dass der für ein entsprechendes neues Gebäude zulässige Transmissionswärmebedarf HT´ um nicht mehr als 40% überschritten wird. Dies macht aber einen Nachweis mit entsprechenden Berechnungen für das gesamte Gebäude notwendig. Wird ein Gebäude um 30 m² oder mehr erweitert, so gelten für den Anbau die Anforderungen an den Transmissionswärmebedarf HT´ wie für einen Neubau.


Erweiterung bestehender Gebäude

Die Erweiterung bestehender Gebäude ist ebenfalls in der EnEV geregelt. Werden innerhalb eines Jahres neben der Heizungsmodernisierung noch an mindestens drei der folgenden Komponenten Änderungen durchgeführt, so muss ein Energiebedarfsausweis ausgestellt werden. Als Komponenten gelten Außenwände, Fenster, Außentüren, Bodenplatten, Keller- und Dachgeschossdecken sowie Steil- und Flachdächer. Ein Energiebedarfsausweis ist auch vorgeschrieben, wenn das beheizte Gebäudevolumen um mehr als 50% erweitert wird. Sofern allerdings die zur Berechnung erforderlichen Basisdaten nicht beschaffbar sind oder sich eine Berechnung mit den formulierten Regeln in der DIN 4701 Teil 10 nicht durchführen lässt, muss der Primärenergiebedarf nicht bestimmt werden.


EnEV und der Gebäudebestand

Um auch ältere Anlagen energetisch bewerten zu können, wurde im September 2003 die DIN V 4701 Teil 12 Blatt 1 veröffentlicht. Zur Bewertung wird, vereinfacht beschrieben, die Altanlage aufgrund ihrer Betriebsart, ihrer Größe und ihres Alters in ein Raster eingeordnet und daraus ein mittlerer Wirkungsgrad abgeleitet, der dann für die Berechnung der Erzeugeraufwandszahl verwendet werden kann. Da allerdings neben dem Wärmeerzeuger auch die Verlustgrößen für die Wärmeverteilung und –übergabe in die Gesamtbetrachtung eingehen müssen, waren weitere Regelungen notwendig. Zunächst war geplant, auch hierfür eine Normung vorzunehmen (weitere Blätter zum Teil 12 der DIN V 4701), allerdings konnte man sich nicht auf ein Berechnungsverfahren für bestehende Verteilungs- und Übergabesysteme einigen. Deshalb wurde, um überhaupt eine Berechnung von bestehenden Anlagen zu ermöglichen, anstelle einer Norm im Februar 2004 die PAS 1027 (publicly available specification) veröffentlicht, in der die Berechnung geregelt ist. Für die Bewertung einer Altanlage sind nur folgende Informationen notwendig: – Kesselnennleistung (Typenschild) – Kesselbaujahr (Typenschild) – Kesseltyp (Standard-, Niedertemperatur-, Brennwertkessel, Gebläse) – Brenner nachgerüstet? Wenn ja, nach 1990?


Modernisierung ist wirtschaftlich!

Aber auch wenn keine gesetzlichen Vorschriften greifen, ist eine energetische Modernisierung sinnvoll. Für ältere Gebäude gilt, dass nach einer Modernisierung je nach Umfang der Maßnahmen 30% und mehr der Energiekosten eingespart werden können. Grundsätzlich stellt sich dabei die Frage, in welcher Reihenfolge Maßnahmen zur Heizungsmodernisierung und zur Wärmedämmung des Gebäudes ergriffen werden sollten, um einen optimalen Nutzen zu erzielen. Zweifellos wird dann die größte Energieeinsparung erreicht, wenn gleichzeitig mit der Heizungsmodernisierung auch die Gebäude-Wärmedämmung verbessert wird. Kann aus finanziellen Gründen nur eine der Maßnahmen durchgeführt werden, so sollte zuerst der alte Heizkessel ausgetauscht werden. Denn unabhängig von der Reihenfolge der Maßnahmen wird durch die Heizungsmodernisierung das günstigste Kosten-Nutzen-Verhältnis der Modernisierungsmaßnahmen erreicht. Ein Vergleich von Investitionskosten, Energieeinsparung und Amortisationszeitraum macht deutlich, dass die Investition in moderne Anlagentechnik die wirtschaftlichste Entscheidung darstellt. Trotz der geringfügig höheren Investitionssumme gegenüber einem Niedertemperatur-Heizkessel ergeben sich für die Brennwerttechnik aufgrund der höheren Effizienz kürzere Amortisationszeiten.

Von Georg am 9.03.09 16:54 |

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